* belting

Gegenwärtig werden unter dem Begriff des Beltings verschiedenste kräftige, emotional herausgehobene Klänge moderner Gesangsstile zusammengefasst. Angesichts ihrer Popularität und Beliebtheit – vor allem bei jungen Sängern – besteht diesbezüglich ein erhöhter Bedarf an pädagogischen Konzepten. Auf Grund des in der Regel kräftigen Klanges, gibt es im Hinblick auf eine stimmgesunde Technik unter Stimmforschern und Gesangslehrern jedoch immer wieder kontroverse Diskussionen. Aus stimmphysiologischer Betrachtung ist von Bedeutung, wie diese Klänge effizient und langfristig gesund ausgeübt werden können. Aus gesangpädagogischer Sicht ist von Interesse, welche Techniken für das Belting gelehrt werden. In der Praxis sind sehr unterschiedliche und zum Teil vermeintlich widersprüchliche Methoden verbreitet. Gerade für junge Studenten des Gesangs oder der Gesangspädagogik ist dies oft verwirrend und unbefriedigend.

Daher stellte sich meine Masterarbeit mit dem Titel

“Belting in der Popularmusik und dem modernen Musical: Ein stimmphysiologischer Vergleicht gesangspädagogischer Ansätze”

zwei Ausgangsfragen:

  1. Welche Art des Beltings wird von ausgesuchten Experten als physiologisch betrachtet und gelehrt?

  2. Wie lehren die Experten dieses Belting?

Als Belting wurden dabei die überwiegend kräftigen und intensiven Klänge der mittleren und höheren Lage (bis ca. F5) in der Popularmusik (incl. Musical) definiert.

Teil 1: Diskussion der wissenschaftlichen Literatur im Hinblick auf themenrelevante Parameter 

Um die pädagogischen Ansätze stimmphysiologisch vergleichen zu können, verschafft sich die Arbeit im ersten Teil zunächst einen Überblick der zugänglichen Literatur und diskutiert diese hinsichtlich der folgenden ausgewählter Parameter:

  • Phonationsatmung

  • Stimmquelle

– Schlussquotient

– Maximum Flow Declination Rate

– Schalldruckpegel

– Vibrato

– laryngeale Muskelaktivität und Registerdefinitionen

  • Vokaltrakt

– Mundöffnung, Zunge

– Kehlkopfposition

– Gaumensegel

– Verengung von Epilarynx und Pharynx

  • Resonanzstrategien

– Formantstrategien

– Verhältnis von H1 zu H2

– F1-H2-Tuning

– Vokale

  • Stimmhygienische Diskussion

  • Beltingkategorien in der Literatur

Teil 2: Expertenbefragung zum Belting und Auswertung der Ergebnisse

Teil 2 beschäftigt sich mit den Ergebnissen einer Befragung von 17 erfahrenen und international tätigen Gesangspädagogen. Kernaspekte für die Beantwortung der oben gestellten Leitfragen waren unter anderem: Was verstehen die Experten unter Belting? Welche Art des Beltings lehren sie? Welche häufigen Fehler treten auf und wie kann es physiologisch produziert und gelehrt werden? Mit Hilfe einer Online-Umfrage sowie eines Skype- bzw. Telefoninterviews wurden die Teilnehmer nach ihrer persönlichen Auffassung von Belting und der Arbeitsweise mit dieser Stimmgebung befragt. Zusätzlich wurden von jedem Teilnehmer neun Hörbeispiele in Bezug auf Technik und stimmphysiologische Unbedenklichkeit bewertet. In der durchgeführten Befragung wurden folgende Themenbereiche berücksichtigt:

  • Arbeit nach einer spezifischen Lehrmeinung / Methodik

  • Allgemeines Verständnis von Belting

(Definition, Erkennen von Belting, Stimmumfang, Einschränkungen, Belting bei Männern, Verhältnis von Belting zur Bruststimmfunktion und zum sog. Mix, Musical vs. Popularmusik, technische und stimmphysiologische Bewertung der Hörbeispiele, Beispiele für gutes Belting)

  • Technik, Didaktik, Methodik

– Atmung

– Phonation

– Vokaltrakteinstellungen (Kehlkopfposition, Gaumensegel, Zungenstellung, Kieferöffnung, Lippenstellung, Kopfhaltung, Verengung von Epilarynx und/oder Pharynx)

– Vokale

– Belting in hoher Lage

  • Belting und Stimmgesundheit

– „Gefahrenquellen“ und häufige Fehler

– Maßnahmen und spezifisches Training

  • Übungen

Die unterschiedlichen Antworten und Ansätze wurden – soweit möglich – aus stimmphysiologischer Sicht miteinander verglichen, diskutiert und zu den Erkenntnissen der Singstimmforschung aus Teil 1 in Kontext gesetzt.

– Bild: © Tim Reckmann I pixelio –